Verrückt: Conor McGregor nur Außenseiter gegen Khabib Nurmagomedov (UFC 229)

In der Nacht vom 6. Oktober auf den 7. Oktober kämpft Conor McGregor, der größte MMA-Superstar aller Zeiten, gegen Khabib Nurmagomedov, den bisher ungeschlagenen Kämpfer aus der russischen Republik Dagestan, der sich in seinem letzten Kampf im April den Titel von Conor McGregor in einem Kampf gegen einen zweitklassigen Gegner quasi geschenkt bekam.

Comeback nach 2 Jahren

Für Conor McGregor ist es nicht nur der erste Kampf nach seinem Ausflug ins Box-Geschäft für den ungeschlagenen Floyd Mayweather, sondern auch das Comeback nach 2 Jahren zurück als MMA Kämpfer in der UFC.

Seinen bisher letzten Kampf bestritt Conor McGregor (Damals Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 145 lbs) als er gegen Eddie Alvaraz (Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 155 lbs) als erster UFC Kämpfer der Geschichte in zwei Gewichtsklassen zur gleichen Zeit Weltmeister werden wollte. Nicht nur schaffte es Conor McGregor den Aufstieg in die höhere Gewichtsklasse, sondern schaffte dies auf eine Art und Weise, die Kampffans auf der ganzen Welt erstaunte.

Die Analyse

Wie gegen Eddie Alvarez, den er so überzeugend schlug, geben ihm viele Kollegen bei seinem Comeback wieder wenige Chancen auf den Sieg.

Warum so viele an Conor glauben

Lediglich eine Niederlage in der UFC

  • Nate Diaz ist aus gutem Grund der problematischste Gegner in der gesamten UFC, den man sich für Conor vorstellen kann.
  • Kampf fand in 2 (bzw. 2 1/2) Gewichtsklassen über der gewohnten Klasse statt.
  • Nate war Ersatzgegner, auf den er sich nicht vorbereitet hatte.
  • Vor allem da Conor von der UFC zu vielen Presseterminen nach seinem Sieg (und damit Aufstieg zum Superstar auch außerhalb der UFC) „gezwungen“ wurde, für die er sein Training erstmals vernachlässigen musste
  • Nate Diaz hat eine unbegrenzte Ausdauer (Triathlet), was einem Knockouter wie Conor nicht liegt, der es gewohnt ist, den Kampf schnell zu beenden. (Conor kämpfe lediglich einmal mehr als 2 Runden)
  • Ein Knockout zudem gegen Nate Diaz nahezu unmöglich ist, da er in seinen 30 MMA Kämpfen lediglich einmal vorzeitig durch Knockout besiegt werden konnte (Technischer KO nach einem brutalen Head-Kick in der letzten Runde gegen Josh Thomson)
  • Dennoch hat Conor – entgegen nahezu aller Experten – das Rematch in der 170lb Gewichtsklasse gegen Nate Diaz gewonnen, in dem er Nate Diaz 3 Mal mit Schlägen zu Boden schickte.
  • Möglicherweise hätte Conor so der erste sein können, der Nate Diaz mit den Fäusten zum TKO bringt. Auf Grund der Stärke von Nate Diaz am Boden (Schwarzgurt in BJJ) und der Niederlage am Boden im Vorkampf verzichtete Conor allerdings auf den Bodenkampf und verhinderte so seine Chance auf den TKO
  • Auch wenn viele Leute sagen (so wie ich damals auch), dass Conor auch den Rückkampf nach Punkten knapp verlor, so verstummt jeder objektive Kampfsport-Fan (und auch ich musste meine Meinung revidieren), wenn er sich den Kampf in Ruhe ein zweites Mal anschaut, da der Sieg nach Punkten am Ende doch sehr deutlich war

Jeder andere Gegner wurde überzeugend geschlagen

  • Gegen Max Holloway, den amtierenden Weltmeister in der 145 lbs Gewichtsklasse, trotz ernsthafter Verletzung (die ihm fast die Karriere gekostet hatte!), überzeugend einstimmig nach Punkten geschlagen (seitdem hat Max Holloway nie mehr verloren und sogar Jose Aldo gleich zweimal geschlagen!)
  • Alle anderen Gegner vorzeitig durch TKO / KO geschlagen, darunter nur die größten Namen der MMA Sportwelt wie Dustin Poirier, Jose Aldo, Max Holloway, Eddie Alvarez usw.
  • Jose Aldo war bis zur Niederlage gegen Conor 10 Jahre ungeschlagen und war in der Diskussion als größter MMA-Kämpfer in der Geschichte einzugehen, bevor ihn Conor innerhalb von 13 Sekunden mit einem Schlag ausknockte, so schnell wie noch niemals zuvor ein Gegner in einem Titelkampf ausgeknockt wurde und zwar genau so wie es Conor McGregor zuvor angekündigt hatte (wie so oft zuvor!)

Warum so viele an Khabib glauben

Khabib ist ungeschlagen

  • Khabib ist nicht nur ungeschlagen, sondern hat jede oder zumindest fast jede Runde in seiner Karriere gewonnen und ist am Boden nahezu unbesiegbar

Conors Ausdauer kann nicht mit Khabib mithalten

  • Conor hat im Vergleich zu Khabib eine deutlich schlechtere Ausdauer und wird spätestens ab der 3. Runde deutlich geschwächt sein

Khabibs Kampfstil denkbar schlecht für Conor

  • Conor hat ein Problem gegen Wrestler zu kämpfen, da er von seinen Knockouts lebt. Khabib ist der vermutlich beste Wrestler in der Geschichte der MMA und wird Conor überlegen sein.

Sogar Chad Mendes hat Conor mehrmals zu Boden gebracht

  • Obwohl Chad Mendes deutlich kleiner und leichter als Khabib ist, hatte Conor McGregor große Probleme gegen Mendes, der ihn mehrmals zu Boden brachte und dort über Minuten lange Zeit halten und mit Ellenbogen und Schlägen bearbeitete. Mendes verlor zwar bereits in der 2. Runde durch TKO, doch war Mendes spontan als Ersatzgegner eingesprungen, gegen Ende der zweiten Runde so erschöpft, dass Conor ihn ausknocken konnte. Khabib hätte keine Ausdauer-Probleme und würde daher auf keinen Fall in der gleichen Situation so leicht ausgeknockt werden.

10 Gründe Khabib dennoch verlieren wird

  1. Khabib hat bisher fast nur gegen durchschnittliche bis schwache Gegner gekämpft, lediglich 4 akzeptable bis ernsthafte Gegner waren darunter:
    1. Michael Johnson: vor dem Kampf gegen Khabib 2 von 3 Kämpfe verloren und auch danach 2 von 3 Kämpfe verloren (also nur 2 Siege bei 5 Niederlagen aus den letzten 7 Kämpfen)
    2. Edson Barboza: starker Kämpfer  (allerdings bereits 6 Niederlagen), ein denkbar einfacher Gegner für Khabib. Khabib macht grundsätzlich sehr viel Druck und versucht ständig die Distanz zwischen Gegner und sich zu schließen, um zum Takedown anzusetzen, während Barboza eben unbedingt die Distanz braucht, da er vor allem von seinen Kicks lebt, ohne die er nur bedingt gefährlich ist. So war es eine der deutlichsten Punkt-Niederlagen in der Geschichte der UFC.
    3. Al Iaquinta: ein guter Gegner aber nicht einmal einer der Top 10 Lightweight Kämpfer laut UFC Ranking, beruflich dementsprechend noch Immobilienmakler und noch weit weg von der Spitze, der dennoch einige Schwächen bei Khabib offenbarte und mit Khabib über 5 Runden Kämpfen konnte. Definitiv kein Gegner für den man mit dem Weltmeister Titel belohnt werden sollte.
    4. Rafael dos Anjos: starker Gegner, der später auch Weltmeister wurde, war der erste große Gegner von Khabib, der denkbar schlecht – fast schon völlig unvorbereitet – gegen Khabib antrat und zurecht nach Punkten verlor. Respekt an Khabib der zweifellos zu den Top 3 der Division gehört, allerdings heute vermutlich nicht mehr so leicht gegen Rafael gewinnen würde.
  2. Khabib wurde bisher erst einmal ernsthaft getroffen, hat er wie Conor sagt ein Glaskinn? In der ersten Runde gegen Michael Johnson, der danach allerdings den Takedown nicht verhindern konnte und daher daraus kein Kapital schlagen konnte, sah man das auch Khabib nicht unsterblich ist. Conor würde ihn nicht nur einmal treffen und bei jedem Treffer würde er mit einer ihm bisher nicht bekannten Schlagkraft getroffen werden. Eine komplett ungewohnte Situation für Khabib. Auch wenn viele sagen, dass Edson Barboza ihn am Kopf mit seinem berücktigten Kick getroffen hatte und Khabib daraufhin einfach weiterlief als wäre nichts passiert, so muss man in der Zeitlupe zugeben, dass es kein richtiger Treffer war, jeder UFC Fighter wäre von diesem Treffer unberührt gewesen.
  3. Conor wird ihn – wie jeden Gegner zuvor – zweifelsfrei treffen und damit zumindest anknocken. Dafür hat Khabib in jedem Kampf gezeigt, dass er nicht nur kein Striker ist, sondern auch viel zu ungeschützt durch das Oktagon läuft. Wird Khabib KO gehen? Vermutlich ja, doch sicher ist das nicht, da es bisher niemanden gab, der es ernsthaft versucht hat. Klar ist aber, dass dies für Khabib eine ganz neue Erfahrung sein wird, wenn die Linke von Conor trifft.
  4. Conors Wrestling, Takedown Defense und Grapling ist deutlich besser als viele glauben. Nate Diaz, Chad Mendes, Diego Brandao, Max Holloway, Eddie Alvarez und viele mehr haben es alle versucht und bis auf Chad Mendes scheiterten alle kläglich.
  5. Conor wird wie gegen Eddie Alvarez viele Takedowns gar nicht erst zulassen und wenn die Takedowns doch kommen, einige davon verteidigen. Die Takedowns, die er nicht schafft zu verteidigen, wird er am Boden deutlich besser verteidigen als Barboza & Co.
  6. Conor ist zu schnell um wirklich hart getroffen zu werden. Khabib wird durch seine Unorthodoxe Schlagtechnik zwar Treffer auf dem Punkte-Zettel erhalten, aber deutlich weniger als Khabib gewohnt ist
  7. Conor hat in seiner Karriere bereits einige harte Treffer einstecken müssen, die fast alle ergebnislos blieben. Khabib hingegen hat wenig Power hinter seinen Strikes und zermürbt seine Gegner mehr durch mittelmäßige, aber in der Masse überwältigende Schläge. Conor wird so auf keinen Fall KO gehen.
  8. Der Kampf gegen Mendes war ebenso für Conor Short-Notice (er hatte KEINE Möglichkeit mehr sich auf einen Wrestler vorzubereiten, vor allem, da er sich dafür bisher nie vorbereiten musste), er war verletzt und die Takedowns von Mendes sind stilistisch für Conor deutlich schwieriger als die Takedowns von Khabib. Nicht nur weil Mendes durch seine Größe und Explosivität viel leichter Conor ins Wanken bringt, sondern weil Mendes ein harter Puncher ist, wodurch Conor gleich doppelt in Gefahr war. Nur so konnte Mendes so leicht unter Conors Schlägen hindurch. Khabibs Takedowns sind hingegen nicht vergleichbar, bei Khabib geht es primär darum den Gegner zu greifen und mit seiner Kraft zu Boden zu bringen. Was Conor gegen andere Gegner bisher überragend verteidigen konnte. Khabibs Takedowns sind dennoch mit Niemandem vergleichbar, doch wird Conor so oder so deutlich vorbereiteter sein als gegen Mendes oder jeden anderen Gegner, da er weiß, dass Khabib nur so gewinnen kann.
  9. Auch wenn Khabib im Vergleich zu seinen anderen Gegnern sich nicht schon vorm Kampf mental besiegen lässt, so hat Khabib in Interviews bereits bestätigt, dass Conor ihn sehr wütend gemacht hat und es für ihn eine persönliche Angelegenheit ist. Dies wird auch Khabib geringfügig beeinflussen. Wenn im Kampf noch dazu kommt, dass Conor einige Treffer landet, wird es auch endgültig auf Khabib einwirken und möglicherweise über Sieg und Niederlage entscheiden. Vergessen darf man auch nicht: Khabib weiß er könnte eventuell von Conor ausgeknockt werden, da Khabib um jeden Preis ungeschlagen seine Karriere beenden will (und laut Gerüchten nach dem Kampf eventuell sogar seine Karriere bereits beenden will), so wird ihm dies beeinflussen. Conor hat bereits verloren. Khabib will dies um jeden Preis vermeiden. In vielen Interviews hat Khabib gesagt, man darf gegen gute Kämpfer auf keinen Fall angespannt sein.
  10. Conors Ausdauer: Conors Kampf gegen Nate Diaz, den alle für seine schlechte Ausdauer erwähnen, liegt bereits 26 Monate zurück. Ausdauer ist im Gegensatz zu allen anderen Skills leicht zu trainieren. Conor hat vor wenigen Tagen in einem Interview bestätigt, dass er endlich wieder nach langer Zeit gerne auf dem Laufband trainiert. Er hat für 12 Runden gegen Floyd Mayweather trainiert und auch dazwischen liegen 16 Monate, in denen Conor fast täglich trainiert hat. Wie DÜNN ist Conor? Er wird einen extrem leichten Weight Cut haben. Den vermutlich leichtesten seiner Karriere und daher nicht nur topfit beim Kampf sein, sondern durch viel Cardio, um dieses niedrige Normalgewicht zu erreichen, seine Ausdauer gestärkt haben. Auch wenn Khabib seine Gegner zermürbt ist es für Conors Ausdauer weniger schlimm als gegen den unausknockbaren Nate Diaz, einem Gegner bei dem Conor weiß, dass er lediglich 1 bis 2 Runden hat, um ihn auszuknocken und daher alles in die ersten zwei Runden stecken musste.

Können andere Kämpfer Khabib schlagen?

  • Tony Ferguson hat große Chancen (wird vermutlich sein nächster Gegner werden, siehe Interview mit Dan Hardy)
  • Sollte Khabib gegen GSP oder Woodley kämpfen, wird er diese Kämpfe definitiv verlieren (wie es scheint gibt es hier Pläne)
  • Kevin Lee wäre ein sehr ungemütlicher Gegner für Khabib, auch wenn ich Kevin Lee nicht zu den Top 3 der Division zähle, favorisiere ich Kevin Lee leicht. Nach dem Kampf mit Conor wird man sehen, wie gut das Kinn von Khabib ist und ob Kevin Lee ein ungemütlicher Gegner für Khabib wäre

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